Was hat Kunst mit Gebet zu tun?

Du betrachtest ein Kunstwerk. Dein Blick bleibt an einem Detail hängen. Vielleicht erinnert es dich an etwas, das dich gerade beschäftigt. Du schaust noch einmal hin. Und merkst, dass du darüber nachdenken möchtest.

Was wäre, wenn du genau das mit ins Gebet nimmst?

Ein Kunstwerk kann zum Anlass werden, Gott zu sagen, was in dir vorgeht. Etwas, für das du dankbar bist. Eine Frage, die dich nicht loslässt. Oder etwas, das dir bisher schwerfiel auszusprechen.

Diese Verbindung von Kunstbetrachtung und Gebet hat einen Namen: Visio Divina. Als ich darauf gestoßen bin, fand ich die Idee super spannend. Denn mit meinen Kunstwerken möchte ich genau dazu einladen: innezuhalten und darüber nachzudenken, was ihre Botschaft mit unserem eigenen Leben zu tun hat.

Natalie Ingerle malt im Atelier an einem christlichen Gemälde mit Blumen sowie Löwe und Lamm.

Was ist Visio Divina?

Visio Divina wird häufig mit „göttliches Sehen“ oder „heiliges Sehen“ übersetzt. Es ist eine Form des kontemplativen Gebets, also des stillen, betrachtenden Gebets. Ein Kunstwerk, eine Ikone oder ein anderes Bild wird dabei zum Ausgangspunkt für die Begegnung mit Gott.

Vielleicht kennst du den verwandten Begriff Lectio Divina. Dabei steht ein Bibeltext im Mittelpunkt; bei Visio Divina ist es ein Bild.

Mich spricht daran besonders an, dass ich beim Betrachten beginnen darf. Ich muss nicht schon wissen, was ich sagen möchte. Ein Detail im Kunstwerk kann mich an etwas erinnern, für das ich dankbar bin, oder an etwas, das mir gerade schwerfällt.

Kunst betrachten und mit Kunst beten

Kunst und Gebet sind für mich auf verschiedene Weise miteinander verbunden. Wenn ich an meinen Kunstwerken arbeite, beschäftige ich mich mit biblischen Geschichten. Ich denke darüber nach, was sie über Gott und uns Menschen erzählen. Und darüber, wo ich mich selbst darin wiederfinde. Diese Gedanken begleiten mich beim Malen und finden ihren Ausdruck im Kunstwerk.

Deshalb ist meine Kunst für mich ein wesentlicher Teil der Anbetung. Und ich habe mich gefragt: Wie kann ich dich daran teilhaben lassen?

Auch beim Betrachten eines Kunstwerks kannst du bei einem Detail hängen bleiben, dich darin wiederfinden oder auf eine Frage stoßen, die dich beschäftigt. Genau dort kann dein eigenes Gespräch mit Gott beginnen.

Daraus ist die Reihe „Mit Kunst ins Gebet“ entstanden. In den Videos begleiten dich christliche Musik und ruhige Einblicke in meinen Malprozess. Ich gebe dir einen persönlichen Gedanken und eine Frage mit. Am Ende bleibt das fertige Kunstwerk stehen, damit du Zeit hast, es auf dich wirken zu lassen.

Wenn du magst, nimm dein Notizbuch dazu. Drucke deine Gebetskarte aus, klebe sie ein und schreib daneben auf, was dich beschäftigt und was du Gott sagen möchtest. Oder du hörst einfach der Musik zu und nimmst dir Zeit für dich und Gott.

Wie funktioniert die betende Bildbetrachtung?

Du kannst mit einem Gemälde oder einer Abbildung beginnen. Wenn du Visio Divina ausprobieren möchtest, kannst du so vorgehen:

  1. Komm an. Such dir einen ruhigen Platz und nimm dir einen Moment, bevor du das Kunstwerk betrachtest.

  2. Bleib bei einem Detail. Was zieht deinen Blick an? Schau es eine Weile an.

  3. Betrachte das Ganze. Lass deinen Blick über das Kunstwerk wandern. Welche Gedanken oder Gefühle entstehen?

  4. Nimm das mit ins Gebet. Sag Gott mit deinen eigenen Worten, was dich beschäftigt. Wenn du möchtest, schreib es auf.

  5. Lass etwas Stille. Du darfst am Ende einfach noch einen Moment bei Gott bleiben.

Für meine Reihe ergänze ich diese Bildbetrachtung um christliche Musik und eine Reflexionsfrage. Du kannst die Musik hören oder dir für die Betrachtung einen Moment ohne Musik nehmen. Geh so vor, wie es dir hilft, aufmerksam zu werden.

Deine Gebetskarte für deine stille Zeit

Wenn du selbst mit Kunst ins Gebet finden möchtest, habe ich deine Gebetskarte für dich vorbereitet. Sie verbindet eines meiner Kunstwerke mit einer Reflexionsfrage. Du kannst sie ausdrucken und in dein Notizbuch einkleben, so wie ich es im Video gemacht habe.

Schreib daneben auf, was in dir vorgeht. Für mich war es neu, meine Gedanken auf diese Weise direkt an Gott zu richten: Ihn mit „Du“ anzusprechen und aufzuschreiben, was ich Ihm ehrlich sagen möchte.

Wenn du später wieder in dein Notizbuch schaust, begegnet dir auch das Kunstwerk. Vielleicht fällt dir dann ein anderes Detail auf. Oder du merkst, dass du Gott inzwischen etwas anderes sagen möchtest.

Hier findest du deine Gebetskarte zum Ausdrucken.

Auf derselben Seite kannst du über „Video ansehen“ das begleitende Video öffnen. Lass es laufen, hör der christlichen Musik zu und nimm dir Zeit für dich und Gott.

Du kannst deine Gebetskarte auch mit in deinen Hauskreis nehmen. Betrachtet das Kunstwerk zunächst in Ruhe. Danach kann jede und jeder für sich schreiben oder beten. Wer möchte, kann einen Gedanken teilen.

Ich freue mich, wenn meine Kunstwerke dich auch auf diese Weise in deinem Alltag begleiten.

Alles Liebe und Gottes Segen,
deine Natalie

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